So geht’s aber nicht!
Nachdem wir bei Starting Six die Frage nach den Spieldauer-Disziplinarstrafen am vergangenen DEL-Wochenende bereits ausführlich geklärt hatten, lohnt sich ein zweiter Blick auf das Vergehen von Mirko Lüdemann in der Partie gegen Frankfurt.
Es steht zu Beginn des letzten Spielabschnitts bereits 3-1 für die Frankfurt Lions, die das Spiel später noch mit 5-2 gewinnen sollten. Mirko Lüdemann sollte davon nichts mehr mitbekommen, denn er wurde vorzeitig von Willi Schimm unter die Dusche gestellt.
Aber warum?
Lüdemann brach bei einer Schusschance der Schläger und aus Wut beförderte er sein Spielgerät über die Plexiglasscheibe. Zwar sollte der Schläger eigentlich auf der Strafbank landen, Lüdemann hatte die Sache aber anscheinend nicht ganz im Griff und warf seinen Schläger in die Frankfurter Zuschauerränge.
Sportal schilderte die ganze Szene so:
Spieldauer für Lüdemann, die Ansage lautet. Wegen Tätigkeit gegen einen Zuschauer!. Beim Pfostentreffer brach sein Schläger, er wirft ihn über die Plexiglasscheibe Richtung Strafbank. Wohl mit zuviel Schwung. Aber Werfen darf man sowieso nicht
Willi Schimm pfiff ab und schickte Lüdemann zum Duschen.
Korrekt oder nicht? Und wie ist das überhaupt mit dem Werfen?
Zum Glück haben die offiziellen Regeln der International Ice Hockey Federation (IIHF) in diesem Fall mal eine klar und deutliche Auslegung.
Und zwar hlft uns im “Fall Lüdemann” ein schneller Blick auf Regel No 568, “Throwing a stick or any object out of the playing area“, die folgendes besagt:
Any player or goalkeeper who throws a stick, part of it, or any other object out of the playing area shall be assessed a: Game Misconductpenalty (GM)
Also hatte Willi Schimm gar keine andere Wahl, als Lüdemann vom Eis zu schicken.
Wo wir schon beim Thema sind, können wir aber gleich noch klären, was man wie wo und warum innerhalb des Feldes werfen darf oder nicht. Man weisst ja nie, was noch so alles passiert.
Das wichtigste Kriterium sind bei diesen Regeln immer der Puck und die Position des Puckführenden. Die Statuten der IIHF unterscheiden für solche Fälle vier Situationen:
1. Wenn ein Spieler, Torhüter oder auch einer der Verantwortlichen auf der Spielerbankein Objekt aufs Eis werfen, das die Scheibe oder den Puckführenden ablenkt, gibt es eine 2-Minutenstrafe. Aber nur, wenn die Aktion in der neutralen Zone oder im Angriffsdrittel des “Werfers” stattfindet.
2. Geschieht es aber in der defensiven Zone, gibt es einen Penalty für das benachteiligte Team.
3. Wenn der Goalie einen Gegenstand vor seinem Tor platziert, der ein Tor verhindert, gibt es ein technisches Tor.
4. Sobald ein Gegenstand auf dem Eis die Richtung des Pucks oder des Puckführenden verändert, wenn der gegnerische Torhüter sein Tor schon verlassen hat, gibt es ebenfalls ein technisches Tor.
Wenn der Gegenstand nur so auf das Eis geworfen wird, ohne das der Spielfluss dadurch beeinträchtigt wird, gibt es logischerweise auch keine Strafe.
So, jetzt haben wir alle Situationen besprochen und mal wieder was gelernt…
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