Heimlich, still & leise
Ich muss schon gestehen: Ich habe mich vor einigen Tagen ein bisschen erschrocken, als ich gesehen habe, dass die Grizzly Adams Wolfsburg sich klammheimlich in der Tabelle nach oben gearbeitet und die DEG vom zweiten Rang verdrängt haben.
Und das plötzlich eine Mannschaft da steht, wo man vor der Saison eigentlich die Adler Mannheim erwartet hätte. Die Grizzlys haben die Erwartungen der Experten und sicherlich auch der eigenen Fans weitaus übertroffen – “Platz 10″ war in Wolfsburg immer als Saisonziel ausgegeben.
Ich selber hatte die Wolfsburger vor der Saison auf Rang 12 geschätzt, Boris Rousson setzte sie für die Eishockey News auf Platz 10 – trotz der starken letzten Saison und dem Pokalgewinn gegen Hannover. Immerhin kam Andreas Niederberger mit seinem Tipp von Platz 6 am nähesten an die aktuelle Platzierung der Bären heran.
Aber was macht die Grizzlys in diesem Jahr eigentlich so stark?
Der grosse Vorteil der Wolfsburger ist bei einem Blick auf die Mannschaftsteile schnell ausgemacht. Zwar verfügen die Wolfsburger besonders mit Kai Hospelt, dem Spieler des Monats Januar, und Top-Torjäger Ken Magowan über eine starke Offensive, das Prunkstück der Niedersachsen bleibt aber die Defensive.
Mit 121 Gegentoren erreichen die Wolfsburger einen absoluten Spitzenwert in der DEL – selbst Tabellenführer Berlin musste schon 140 Tore hinnehmen.
Vor Jochen Reimer, dem statistisch drittbesten Torhüter der Liga, und Daniar Dshunussow, der das Torhüter-Duo komplettiert, sorgen Jan-Axel Alavaara, Blake Sloan, Paul Traynor und der junge Christopher Fischer für Ruhe. Und sie sorgen derart für Ruhe, dass Fischer (+25) und Alavaara (+17) die +/- Statistik der Verteidiger anführen. Mit Abstand.
Und dabei hatten viele prophezeit, dass die Verteidigung der Grizzlys mit dem Abgang von Mavin Degon zerbröseln würde. Doch Coach Toni Krinner hatte das Vertrauen in seine Verteidiger, besonders in den 21-jährigen Fischer, der aus Heilbronn gekommen war:
“Er soll sich bei uns weiterentwicklen und den nächsten Schritt machen. Das Vertrauen dazu bekommt er”
Im Sturm, der im vergangenen Jahr schon bestens funktionierte, mussten Krinner und Manager Charly Fliegauf nur den Abgang von Tim Regan kompensieren. Das gelang besonders mit der Verpflichtung von John Laliberte.
Der Amerikaner war mit einigen Fragezeichen aus Dänemark in die DEL gewechselt, räumte diese aber mit bisher 50 Scorerpunkten eindrucksvoll beiseite. Hinzu kommen Norm Milley, Sebastian Furchner, Ken Megowan, Jason Ulmer, Hai Hospelt, Mike Green und Peter Sarno, die zusammen für drei ausgeglichene Reihen in der Grizzly-Offensive sorgen.
Und so haben die Wolfsburger es eben heimlich, still & leise geschafft auf Rang 2 zu klettern. Aus den letzten 12 Spielen gab es 10 Siege, die beiden Niederlagen gab es gegen die übermächtigen Eisbären.
Eine Schande ist es allerdings, dass das zweitbeste Team der Liga den niedrigsten Zuschauerschnitt vorweisen muss. Im Schnitt kommen nur 2.425 Zuschauer in Eishalle in Wolfsburg, um ihr Team zu unterstützen. Definitiv zu wenig, denn für Wolfsburg ist in dieser Saison noch vieles möglich.
Und vielleicht ändert sich das Zuschauerinteresse in Wolfsburg auch, wenn die Playoffs erstmal erreicht sind…
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