Die Lage des deutschen Eishockeys

Sports News - November 06, 2008

Die Eishockeybegegnung Weissrussland gegen Deutschland bei den Olmypischen Spielen in Vancouver vor einigen Tagen war spielerisch keine Offenbarung.

Man könnte sogar soweit gehen, das Spiel als ziemlich lahm zu bezeichnen. Zwar gelangen dem DEB die ersten Treffer des olympischen Turniers, doch am Ende sprang wieder nur eine von vier Niederlagen heraus.

Eigentlich also kein Grund, sich weiter mit diesem Spiel zu beschäftigen.

Doch trotzdem sorgt die Begegnung noch heute für Gesprächsstoff. Der Grund: ZDF-Kommentator Günter Peter Ploog platzte während der Partie derart der Kragen, dass der folgende Rundumschlag gegen das deutsche Eishockey bei vielen Zuschauern für Unmutsäusserungen sorgte.

Im ZDF-Forum wurde Kritik laut und auch der eisbaerlin-Blog beschäftigte sich mit dem Thema. Für viele war der Kommentar Ploogs eine Frechheit, eine unbegründete Abrechnung mit dem Deutschen Eishockey Bund und überhaupt unberechtigt. Auf der anderen Seite sorgte der ehrliche Kommentar Ploogs aber auch für positive Resonanzen, wie auch der Kommentator selber erkennen musste:

“Die negativen Reaktionen haben eine Reihe von sehr positiven hervorgerufen nach dem Motto ‘was wollt ihr, der Mann hat doch recht?’”

Wenn man sich die Kritikpunkte jedoch vor Augen führt, dann erkennt man, dass aus Ploog keinesfalls der ahnungslose Berichterstatter gesprochen hat, sondern vielmehr der frustierte Eishockeyfan, der in den vergangenen Jahren miterleben musste, wie seine Sportart den Bach herunter ging.

“Seit 1996 ist die DEL im PAY-TV verschwunden, eine Generation von Jugendlichen hat damit im TV kaum Kontakt zum Eishockey bekommen, ist abgewandert zu anderen Trend-Sportarten”

ist die Begründung des Kommentators, mit der er erwiesernermassen nicht ganz unrecht hat.

Ice Hockey

Und auch wenn man Ploog möglichwerweise seine recht drastische Wortwahl vorwerfen kann, kann man ebenso wenig abstreiten, dass der ZDF-Experte mit seiner Kritik nur die Wahrheit gesagt hat.

Eishockey sei eine Ranssportart, die Nachwuchsförderung in Deutschland sei miserabel und zweitklassige Ausländer nähmen den deutschen Spielern die Plätze in den Vereinen weg – die Kritik ist deutlich, aber durchaus angemessen.

In Deutschland stehen derzeit neben dem Fussball sogar Sportarten wie Handball oder Basketball noch vor dem Eishockey. Und während die anderen Sportarten sogar im Fernsehen übertragen werden, fristet das Eishockey ein Schattendasein. Nur die Fans, die der Sport wirklich interessiert, können ihn sehen. Gelegenheitsgucker haben hingegen gar nicht erst die Möglichkeit medial mit Eishockey in Berührung zu kommen.

Ein grosser Nachteil, den Ploog selber vor vielen Jahren verhindern wollte. Die Möglichkeit scheiterte allerdings mit der Entscheidung der DEL-Klubs.

Die schwache TV-Präsenz ist das Resultat einer Entscheidung, welche das Deutsche Eishockey vor vielen Jahren fällte und bis heute mit den Konsequenzen leben muss. Ploog selber hatte als damaliger Eishockey-Chef von Premiere einen Mix-Vertrag aus Pay- und Free-TV mit ARD und ZDF angeboten, doch die Klubs entschieden sich aus Geldgier für einen exklusiven Pay-TV-Vertrag.  Seitdem ist Eishockey auch in der Medienlanschaft eine Randsportart, die kaum beachtet wird.

Auch die Nachwuchsförderung ist, trotz vieler anderer Meinungen, eine Katastrophe und ein hausgemachtes Problem der DEL. Natürlich haben Klubs wie die Eisbären oder die Adler die nötigen Strukturen um junge Spieler auszubilden, doch der Grossteil der DEL-Vereine hat das nicht und muss deswegen auf unterklassige Ausländer bauen.

Ein positives Beispiel, was in diesem Fall oft herbeigezogen wird, ist die Schweiz, die pro Klub nur drei Ausländer erlaubt.

“Die Schweizer und Ralph Krüger haben es uns vorgemacht: 3 starke Ausländer, da ist viel Platz für den Nachwuchs. Die Schweizer unter Krüger haben 13 Jahre nicht gegen den Abstieg gespielt”

weiss auch Ploog, erkennt aber das Problem, dass solch ein Prozess in der DEL Jahre dauern würde. Jahre, die die Klubs nicht investieren möchten. Dann doch lieber Ausländer, die es selbst in den unteren amerikanischen Ligen nicht schaffen und lieber in die DEL abwandern.

TUI Nations Cup Canada v Germany

Wären die Ausländerstellen reduziert, müsste auch die Vereine ihre Lizenz-Spieler sorgsam auswählen und das Niveau würde steigen. Oder glaubt ihr wirklich, dass man das DEL-Niveau mit dem der Schweizer Liga vergleichen kann?

Wenn ich lese, dass die DEL hinter der KHL die beste europäische Liga sei, dann lach ich mich weg.

ist auch die Meinung Ploogs, der sich sicherlich lange genug mit dem europäischen Eishockey beschäftigt hat, um die Situation einschätzen zu können.

Probleme gibt es in der DEL viele und diese denen sich, wie in Vancouver gesehen, auch auf die Leistungen der Nationalmannschaft aus. Ist ja auch nicht weiter verwunderlich, dass die Spieler, die in der DEL normalerweise im dritten Block spielen, überfordert sind, wenn sie bei einem internationalen Turnier auf einmal in der Verantwortung stehen.

Und so steht dem DEB nach den schwachen Vorstellungen in Vancouver eine Heim-WM ins Haus, die ähnlich desaströs verlaufen könnte.

“Das ist abhängig davon, ob unsere NHL-er wieder dabei sind. Und davon, ob unsere heimischen Top-Skorer mehr zeigen als 0 Punkte in Vancouver. Mir fehlen im Team und im Umfeld Motivation und Visionen”

Ich kann sicherlich verstehen, dass sich viele Fans über den Kommentar von Günter Peter Ploog aufgeregt haben, eins steht allerdings nicht zur Debatte: Das deutsche Eishockey hat ein Problem.

Günter Peter Ploog hat dieses Problem angesprochen. Sehr deutlich, aber vielleicht noch nicht deutlich genug, damit sich in Zukunft etwas ändert.

Oder was meint ihr?

Das komplette Interview mit Günter Peter Ploog findet ihr morgen hier

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3 Kommentare zu “Die Lage des deutschen Eishockeys”

  1. Deepestblueandy says:

    Ich gebe Dir recht, das deutsche Eishockey hat ein Problem. Es wäre natürlich super, wenn man die Regelung von max. 3 Ausländern einführen würde, aber erfahrungsgemäß würde das wohl irgendwann wie damals bei dem Bosmann Urteil gekippt werden. Ich sehe in dem niedrigen Interesse am Eishockey das größte Problem. Natürlich würde dieses steigen, wenn es in den Medien präsenter wäre, aber welches Medium “riskiert” das ?

  2. Nomi says:

    Hm, das mit der Berichterstattung stimmt ja nur halb. Die Öffentlich-Rechtlichen oder alle dürfen ne Nachspielberichtserstattung machen wie das Fußball im Sportstudio. Weil nach einem Spieltag der DEL bekommt man morgens um 6 auf ARD/ZDF die Spielergebnisse schon inkl. der Tabelle gesagt so ist das ja nicht (frag nicht warum ich morgens um 6 tv schau).

    Mit dem Ausländer bin ich auch dafür sie weiter zu senken, aber nicht von heute auf morgen von mir aus in jeder Saison 2-3 Ausländer weniger. Damit sie die Vereine gezungen Nachwuchsarbeit zu machen und die dann auch in die A-Mannschaft einzubauen.

    Die Idee von Berlin sein Jugendteam in der Oberliga spielen zu lassen war gar nicht so übel. Wenn die Oberliga aber nicht mehr finanzierbar ist wie wäre es mit einen Liga im Landesverband? Landesliga, Bayernliga was weiss ich, wie das in den andern Bundesländern ist.

    Dass die DEL schon lange nicht mehr zu den besten Ligen Europas gehört naja wer das hier noch nicht kapiert hat dann gute Nacht.

    Und am Rande: Wir führen NHL Regeln ein. Diese Pussy Hockey geht mir auf die Nerven. Gestern Nürnberg gegen Hamburg oder besser gesagt Not gegen Elend. Oder bin ich nach 2 Wochen einfach zu verwöhnt? Und das der Schiri ausgepfiffen wird weil er mal einen Check der nach Regelwerk ok war dem gegen Spieler keine 2min geben hat versteh ich auch nicht. Hat jemand das Video auf Facebook gesehen von der DEL? Das mit den meisten “deutschen” Spielern? Und die DEL sich in den Kommentaren aufregt, dass Kritik kommt?

  3. derherold says:

    Selbstverständlich hat Ploog Recht !
    Der TV-Vertrag war der Dreh- und Angelpunkt der Möchtegern-AHL. Ich gehe auch davon aus, daß sich die ö-r-Sender schöööön zurückhalten bei der Berichterstattung über Granufink Ice Tigers, DEG Schlecker Stars, Frankfurt Hanuta und über die Retortenteams von MultiArena-Investoren – das wird auch eine (sport-)polit. Entscheidung sein.
    Das könnte nur eine starke Nationalmannschaft aushebelen – die wird aber in der Legionärsliga DEL nicht entstehen … aber das weiß auch jeder. Man hat sich verzockt.

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