NLA-Playoffs: Das grosse Zittern
Die Playoff in der schweizerischen National League A stehen an und eigentlich beginnt für viele Mannschaften die schönste Phase der Saison. Playoffs, Best-of-Seven, Spiel 7 – eigentlich Dinge, auf die man sich als Eishockeyspieler freut.
Anders sieht es hingegen beim SC Bern aus. Zwar haben die Hauptstädter auch in dieser Saison wieder eine starke Hauptrunde gespielt und sind erneut das stärkste Team der Schweiz, doch vor dem Start der Playoffs plagt den SC Bern ein ganz anderes Problem. Ein Kopfproblem.
In den letzten vier Jahren schlossen die Berner, mit der Ausnahme eines zweites Platzes in der Saison 06/07, die Hauptrunde immer als bestes Team der Vorrunde ab. Die Auftritte in den anschliessenden Playoffs waren jedoch zumeist enttäuschend. Denn immer wenn die Berner von Platz 1 in den Endrunde starteten, waren die Playoffs für den haushohen Favoriten bereits in der ersten Runde beendet.
05/06 setzte es gegen die Kloten Flyers mit 2-4 eine deutliche Niederlage gegen den achtplatzierten Klub nach der Hauptrunde, 07/08 verloren die Berner gegen ein starkes Fribourg-Gottéron ebenfalls mit 2-4 in der ersten Runde und im vergangenen Jahr war es der EV Zug, der den Spitzenreiter mit 4-2 aus dem Meisterschaftsrennen verbaschiedete.
Kein Wunder also, dass man sich in Bern nicht wirklich über den ersten Platz freut und in diesem Jahr mit gemischten Gefühlen in das Playoff-Viertelfinale gegen den HC Lugano geht. Selbst die Verantwortlichen geben sich vorsichtig, wohlwissend wie die letzten Playoffrunden als vermeitlicher Favorit ihren Lauf nahmen.
“Wir müssen in den Playoffs nicht einmal Spiel für Spiel nehmen, sondern Drittel für Drittel”
gibt SCB-Trainer Larry Hurras die Marschroute für seine Mannschaft vor.
Damit es in dieser Saison nicht wieder zu einem unerwarteten Ende kommt, haben die Berner allerdings vorgesorgt. Neben Jörg Wetzel, der den SCB schon seit längerer Zeit sportpsychologisch betreut, arbeitet man zusätzlich mit dem amerikanischen Pyschologen Saul Miller zusammen, einem Experten auf seinem Gebiet.
Dabei kann Hurras eigentlich auf ein intaktes Team zurückgreifen, wenn man die 50 Vorrundenspiele als Mass nimmt. Bern überzeugte in dieser Saison weniger durch starke Einzelakteure, als vielmehr durch eine geschlossene Mannschaftsleistung. Ivo Rüthemann ist der beste Skorer, mit 42 Punkten jedoch weit abgeschlagen von Randy Robitaille, der die Liga souverän anführt. Ein Indiz dafür, dass in Bern in dieser Saison die Mannschaft im Vordergrund steht.
Bezeichnend, dass ausgerechnet Simon Gamache derzeit auf der Tribüne Platz nehmen muss. Anstelle des Kanadiers spielen in Bern derzeit Brett McLean, Jean-Pierre Vigier und Lee Goren. Die drei spielen zwar nicht ansatzweise so spektakulär wie Gamache, stellen sich aber besser in den Dienst der Mannschaft.
Jetzt liegt es also an diesem Team das Viertelfinale gegen Lugano unbeschadet zu überstehen. Entgegen der Gewohnheiten der letzten Jahre, als das Rennen um Meisterschaft oft früh beendet wurde. Zu früh, wie man in Bern findet.
Die übrigen Playoff-Partien (ab Dienstag)
SC Bern – HC Lugano
Servette Genf – Fribourg-Gottéron
EV Zug – ZSC Lions
HC Davos – Kloten Flyers
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