Der Traum ist aus, der Siegeszug der deutschen Eishockeynationalmannschaft ist vorbei. Im Halbfinale gegen die Russen war die Sbornaja zu stark, auch wenn der DEB einen grossen Kampf zeigte und den Russen so viel abverlangte, wie kein anderes Team bei dieser Weltmeisterschaft zuvor.
1-2 hiess es am Ende, weil die Russen in Person von Pavel Datsyuk einen Fehler der Deutschen eiskalt ausnutzten. Doch nach der knappen Niederlage sollte kein Platz für Trauer sein. Denn die deutsche Mannschaft hat in den letzten Spielen bewiesen, was sie zu leisten im Stande ist und dass auch die Bronze-Medaille keinesfalls unmöglich ist.
Denn wenn wir mal ehrlich sind, war nicht die Niederlage gegen die Russen heute die Überraschung, sondern vielmehr die Leistung des DEB im gesamte Turnier. Die NHL-Stars um Ovechkin, Malkin und Datsyuk haben bisher jede Mannschaft bei diesem Turnier dominiert, doch kein Team hat den Russen so viel entgegen gesetzt wie die Mannschaft von Uwe Krupp gestern.
Die Führung durch Marcel Goc war eine Sensation, doch irgendwie war doch klar, dass die Russen noch eine Antwort parat hätten. Hatten sie auch. Zwei sogar. Doch was wirklich imponiert hat, war doch, wie die deutsche Mannschaft gekämpft hat. Das musste auch Uwe Krupp nach dem Spiel erkennen:
“Wir haben jetzt schon Historisches geschafft. Die Jungs marschieren jedes Spiel und laufen bis zum umfallen. Wenn am Ende keine Medaille herausspringt, kann trotzdem jeder Spieler stolz sein. Gegen Russland hatten wir Chancen, um das zweite oder dritte Tor zu machen. Die Russen haben ihre Chancen genutzt. Das war heute der Unterschied.”
sagte der Bundestrainer
Den Ausglichstreffer von Malkin erhalten so viele Mannschaften auf dieser Welt. Allein in der NHL hat der Russe sicherlich allein in dieser Saison 30 solcher Treffer erzielt. Von rechts, Slapshot, drin.
Und auch der Alleingang Datsyuks kurz vor Schluss ist nunmal ein Moment, vor dem keine Mannschaft dieser Welt sicher ist. Dass es unbedingt 110 Sekunden vor Schluss passieren muss ist natürlich bitter. Aber unerwartet war es nicht, oder?
Die Sensation haben wir nicht heute verpasst. Die Sensation haben wir meiner Meinung nach im Spiel gegen die Slowakei gezeigt. Ein technisch versiertes Team, das uns eigentlich eindeutig schlagen müsste, haben wir mit unserer Moral bezwungen. Mit den bescheidenen Mitteln, die eine deutsche Mannschaft nunmal hat.
Das Spiel gegen die Schweiz – bei aller Liebe – war keine Überraschung. Gegen die Eidgenossen haben wir bisher nie wirklich schlecht ausgesehen, weil die Schweizer ein ähnliches Team wie wir haben: Keine individuellen Superstars à la Ovechkin oder Crosby, sondern ein Kollektiv, das gutes Eishockey spielt.
Und genau das haben wir in den vergangenen Tagen dieser WM auch gemacht. Dass es gegen die Russen nicht reicht – geschenkt. Die Mannschaft hat gezeigt, dass wir gegen jeden bestehen können.
Es war ein grosses Turnier bisher und es wird auch morgen nochmal ein grosses Spiel geben, wenn wir auf die Schweden treffen. Also feuert unsere Jungs noch einmal an, damit auch die nächste Sensation möglich ist.
Aber vergesst dabei nie: Die eigentliche Sensation dieser Weltmeisterschaft steht schon lange fest: Die Leistung der Deutschen!